Erinnerst du dich noch an meinen Artikel Warum Kinder betteln in Siem Reap und was du dagegen tun kannst? In dem Artikel erkläre ich, warum es wichtig ist, bewusst etwas bei erwachsenen Händlern zu kaufen und nicht bei Kindern. Passend dazu stelle ich dir heute einen Handzettel als Hilfsmittel vor. Damit kannst du einen Beitrag leisten und aktiv zum Wohl von kambodschanischen Kindern beitragen.

An manchen Stellen in Siem Reap sind die Kinder ganz schön aufdringlich und man will verständlicherweise einfach nur weg. Wobei sich Touristen zunehmend danach richten, der Aufforderung zu folgen, nichts bei Kindern zu kaufen, sondern mit einer Hilfsorganisation Kontakt aufzunehmen. Was ja an sich richtig ist. Doch das verschärft aus meiner Sicht die Situation, weil man aus einem Reflex heraus gar nichts kauft. Aber es gibt einen Weg, die Situation für die Einheimischen abzumildern. Und wie? Indem du die Kinder ignorierst, die dir etwas verkaufen wollen und du etwas bei Erwachsenen kaufst, die sich in der Nähe befinden.

Ein Handzettel mit der Info, dass du etwas bei einem Erwachsenen kaufen möchtest

Oftmals sprechen die kambodschanischen Händler kaum Englisch, von Deutsch ganz zu schweigen. Es ist also nicht ganz so einfach, sich mit seinen eigenen Wünschen verständlich zu machen. Also habe ich mir Folgendes überlegt: Wie wäre es, wenn du auf einem Handzettel zeigen kannst, was du kaufen möchtest? Auf diesem Dokument steht, dass du hier, jetzt und sofort vorhast, etwas bei einem Erwachsenen zu kaufen. Meine Gedanken dahinter:

  • den Leitgedanken unterstützen, nicht bei Kindern zu kaufen
  • eine Möglichkeit schaffen, wie du trotzdem helfen kannst
  • Bewusstsein dafür erreichen, dass es wichtig ist, etwas bei den erwachsenen Händlern zu kaufen
  • dich auf Situationen vorbereiten, die unangenehm und anstrengend für dich sein können (die bettelnden Kinder können einem wirklich das Herz brechen)
  • dir die Möglichkeit geben, dass du direkt aktiv sein kannst, ohne auf andere (wie z.B. Hilfsorganisationen) angewiesen zu sein
  • dir ein Mittel in die Hand geben, mit dem du handlungsfähig bist, anstatt dich gegenüber einer Horde von Kindern schier ausgeliefert zu fühlen, die dir alle etwas verkaufen wollen (das kommt, wenn auch nur vereinzelt – leider – vor)
  • dir dabei helfen, dass du etwas Gutes tun kannst und du dich dabei richtig verhältst und mit dieser kleinen Geste einen bleibenden Eindruck hinterlässt

Das alles habe ich erst einmal in Ruhe reifen lassen und meine Freunde gefragt, was sie von meiner Idee mit so einem Handzettel halten. Sie sind von dem Ansatz begeistert, obwohl es natürlich auch Diskussionen gab. Denn wir sind uns im Klaren darüber, dass sich die Situation nicht mal eben so ändern wird. Doch ist Wegschauen halt ebenso keine Lösung.

Mein „Haus und Hof“ Grafiker Kadek von Fabulous Design aus Indonesien (das Visit Angkor Logo stammt von ihm :-) hat mir drei Vorlagen für einen Handzettel zum Ausdrucken gestaltet. Da sie mir alle gefallen, habe ich sie hier für dich hochgeladen.

Drei Vorlagen zum Download und Ausdrucken für dich

Du kannst dir die Vorlage für einen Handzettel, die dir am besten gefällt, im DIN A4 oder DIN A5 Format als PDF herunterladen und ausdrucken.​

Vorlage 1Vorlage 2Vorlage 3
Handzettel kaufen in Kambodscha Version 1
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Übrigens: Der Satz in Khmer-Schrift bedeutet, dass man in diesem Moment etwas von einem Erwachsenen kaufen möchte. Also die gleiche Info, wie der englische Satz.

So verwendest du den Handzettel:

  • Nimm dir Zeit und lasse die Situation auf dich wirken. (Was dabei Schönes passieren kann, erfährst du hier im Blog im Artikel Ta Prohm Tempel – Szenen einer Begegnung).
  • Zeige den Handzettel und halte nach Erwachsenen Ausschau.
  • Zeige auf dem Zettel, was du kaufen möchtest.
  • Beachte die Kinder solange nicht, wie sie dir etwas verkaufen möchten (das ist mit Sicherheit das Schwerste – aber glaub mir, du tust ihnen keinen Gefallen, wenn du etwas bei ihnen kaufst).

Insgesamt soll der Handzettel ein Hilfsmittel, ein Medium sein. Wenn du ohne auskommst, ist das prima. Mir ist nur – wie eingangs erwähnt – wichtig, den Reflex auszuhebeln gar nichts zu kaufen, weil du ja nichts von Kindern kaufen sollst.

Und auch wenn es vielleicht erst einmal ein Traum ist: Es wäre doch toll, wenn die Erwachsenen merken, dass es sich nicht lohnt, wenn sie ihre Kinder vorschicken, oder? Gleiches gilt für Banden, die Kinder zum Betteln anheuern und ausbeuten. Auf jeden Fall ist es eine Option zum Auszuprobieren. Eine Option, etwas Gutes mit einfachen Mitteln zu tun. Eine Option, allein mit einem Handzettel das Leben von kambodschanischen Kindern zu verändern. Und das nicht nur in Kambodscha, sondern überall auf der Welt, wo Kinder betteln müssen.

Meine liebe Oma und was sie mit dem Ganzen zu tun hat

Ich hatte das unermessliche Glück, eine wunderbare Oma zu haben. 90 Jahre wurde sie – ein wahrlich stattliches Alter. Sieben Jahre ist das nun her, aber ich denke oft an sie. Für mich ist sie lebendig wie eh und je und wird es immer bleiben. Oft hat sie mir vom Leben während des Krieges erzählt, von ihren Kindern – meiner Mutter und meinem Onkel. Wie sie meine Mutter als kleines Mädchen geschickt hat, um für eine Handvoll Mehl und Margarine anzustehen. Ganz allein stand sie da und wartete geduldig zwischen lauter Erwachsenen. Endlich an der Reihe bekam sie so manches Mal etwas extra. Einen Apfel oder ein Brötchen, manchmal sogar ein kleines Stückchen Schokolade.

Ähnlich wie die Kambodschaner heute hat damals meine Oma ihre Kinder vorgeschickt. Dies in der Hoffnung, dass es sich auch beim nächsten Mal wieder lohnt und sie etwas Zusätzliches für die Familie ergattern konnten.

Später dann, also nach dem Krieg, musste das Geld in Umlauf gebracht werden um die Wirtschaft anzukurbeln. Meine Oma erzählte mir, dass man damals aufgefordert wurde, bloß nicht zu sparen, sondern jeden Pfennig möglichst schnell wieder auszugeben, um sich auf diese Weise gegenseitig zu unterstützen. An diese Erzählungen von ihr muss ich immer denken, wenn ich die Szenen der kambodschanischen Kinder, die mir etwas verkaufen wollen, vor Augen habe. Und ihre Eltern, die sich wenig bis nichts leisten können, weil sie – mal wieder – kaum etwas verkauft haben.

Natürlich ist die Situation heute eine andere – vieles gibt es im Überfluss. Hatten wir es in der Nachkriegszeit mit einem Verkäufermarkt zu tun, weil alles knapp war, buhlt im heutigen Käufermarkt nahezu jeder um Kundschaft. Heutzutage können wir zwischen vielerlei Produkten wählen, selbst Mehl und Margarine gibt es in zahlreichen Sorten. Doch eines ist gleich geblieben: Auf der einen Seite gibt es jemand der etwas hat und auf der anderen Seite gibt es jemand, der das dringend braucht.

Was damals im Krieg das Mehl und die Margarine an den Verteilerstellen war, ist heute das Geld der Touristen, die nach Siem Reap reisen. Die Kambodschaner brauchen dieses Geld dringend, um zu überleben und ihre Familien zu ernähren. Dabei haben sie (wie damals meine Oma) gelernt, dass Kinder die besseren Verkäufer sind, weil sie mit ihren Kulleraugen unser Mitgefühl in Sekundenschnelle butterweich kneten. Allerdings zahlen heutzutage die Kinder in Kambodscha einen hohen Preis dafür. Einen Preis, der sich auf ihr gesamtes Leben auswirkt, da sie nicht regelmäßig die Schule besuchen können, sondern verkaufen müssen. Oder sie landen sogar in einem Waisenhaus, obwohl sie gar keine Waisen sind.

Kambodscha: Woher Armut und die vielen Waisenhäuser kommen

Das einst blühende Kambodscha hat sich immer noch nicht von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer erholt. 80% der Bevölkerung lebt auf dem Land, teils ohne Strom. Mit 55% gelten mehr als die Hälfte der Kambodschaner als einkommensschwach (Quelle: LIP Portal).

Wenn es also den Familien besser geht, profitieren davon in der Regel gleichzeitig die Kinder. Allerdings kommt es mit Zunahme des Tourismus in den letzten Jahren vermehrt vor, dass Eltern ihre Kinder gutgläubig an Waisenhäuser abgeben. Ihnen wird versprochen, dass es ihren Kindern dort gut geht, dass sie versorgt sind, zur Schule gehen können. Kinder in Waisenhäusern also, die überhaupt keine Waisen sind. Die Betreiber dieser Waisenhäuser wissen, dass sich mit Kindern bares Geld verdienen lässt. Vor allem bei Touristen, die in gutem Glauben Waisenhäuser besuchen. Je mehr beim Anblick der Kinder das Herz blutet umso lockerer sitzt der Geldbeutel bei den Besuchern. (Wichtige Anmerkung: Das betrifft natürlich nicht alle Waisenhäuser in Kambodscha. Es gibt durchaus sehr gut geführte. Worauf du achten musst, schreibe ich in einem meiner nächsten Artikel.) Ein Grund mehr, sich um die Erwachsenen zu kümmern, damit sie ihre Kinder nicht abgeben (müssen). Wenn du mehr darüber wissen möchtest, empfehle ich dir die ARD Reportage Kambodscha, Waisen die keine sind.

Erfreulicherweise gibt es Organisationen und Projekte, die sich direkt an Erwachsene richten wie z.B. Artisans Angkor. Der in Siem Reap unter kambodschanischer Leitung ansässige Handwerkerverband sorgt dafür, dass Familien durch die Herstellung verschiedenartiger Kunstwerke ein Einkommen in den Dörfern um Siem Reap haben. Wobei sich der Verband selbst um den Verkauf der Kunstwerke kümmert und das sogar im Ausland. Gleichzeitig hat die Arbeit von Artisans Angkor den positiven Effekt, dass handwerkliche Tradition mit einhergehender kultureller kambodschanischer Identität nachhaltig erhalten bleibt. Oder Phare, der außergewöhnliche kambodschanische Zirkus in Siem Reap. Allein dem Zirkus ist es zu verdanken, dass ganze Dorfgemeinden ein Auskommen haben und die Kinder versorgt sind und zur Schule gehen können. Phare ist ein tolles Projekt, welches bereits internationale Aufmerksamkeit erlangt. Nicht zuletzt dank des genialen Managers Craig Dodge. Mit ihm habe ich bereits vor längerer Zeit ein Interview hier bei Visit Angkor geführt.

Warum nicht einfach ein T-Shirt mit einem Aufdruck?

Ja, das bin ich auch gefragt worden. Nur was passiert, wenn du mit einem T-Shirt in Kambodscha herumläufst, auf dem draufsteht, dass du nichts bei Kindern kaufst? Glaubst du wirklich, dass du dann weniger von Kindern angesprochen wirst? Und: Damit hast du keinem Erwachsenen geholfen, der seine Kinder ernähren und eigentlich zur Schule schicken möchte, anstatt sie betteln zu lassen. Obwohl: Man könnte ja einfach kambodschanische Händler solche Shirts verkaufen lassen… Shirts mit dem Aufdruck, „No Tuk Tuk“, gibt es ja bereits in allen möglichen Variationen.

Machst du mit?

Ich bin überaus gespannt auf deine Meinung und ob du den Handzettel ausprobieren wirst. Und wenn du sie ausprobierst, dann freue ich mich wenn du mir über deine Erlebnisse schreibst. Vielleicht mit einem Foto oder sogar ein kleines Video. Vielleicht kommst du ohne den Zettel aus. Auch toll, wie schon erwähnt! Denn ganz gleich auf welche Art und Weise: Dadurch, dass du bei Erwachsenen kaufst, leistest du einen wichtigen Beitrag. Eben dass die Menschen vor Ort in Kambodscha ein selbstbestimmtes Leben führen können, ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein, oder ihre Kinder zum Verkaufen bzw. Betteln oder gar ins Heim zu schicken.

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