Wie immer ist es heiß in Kambodscha. Während Kim und Constance unter Begleitung von Seiyon und Van Soun den Ta Prohm Tempel besichtigen, warte ich mit Vutha am Ausgang des Tempels. Alle schattigen Plätze sind belegt, sodass sein Tuk Tuk nur unter einem Hauch von Baum etwas Schatten findet. Die Hitze knallt auf das Dach und ich beobachte die Szenen um mich herum.

Es dauert nicht lange und ein Junge läuft auf mich zu. Aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, wie seine Mutter ihn zu mir schickt. Er soll mir etwas verkaufen. Schnell will sie sich wieder umdrehen, damit es nicht so auffällt, das sie ihn geschickt hat. Doch unsere Blicke treffen sich. Ich werfe ihr einen ernsten Blick zu und sie spürt sofort, dass mit mir kein Geschäft zu machen ist. Sie ruft ihren Sohn zurück und er läuft zu seinen Freunden. Dort angekommen fängt er direkt an mit ihnen zu spielen.

Normalität aus verschiedenen Welten

Zwischendurch schickt seine Mutter ihn – und andere Kinder – immer wieder los, damit sie Touristen ansprechen um ihnen etwas zu verkaufen. Danach kehrt er jedes Mal zurück zu seinen Freunden und spielt weiter mit ihnen. Einmal schneidet sie eine Melone in Stücke und verteilt sie unter den Kindern. Ein anderes Mal bekommen alle etwas zu trinken. Sie wirken fröhlich, alles geschieht spielerisch – der Anschein von Normalität. Aber was ist schon Normalität? Eigentlich sollte ich entsetzt sein, aber ich bin es nicht. Wieder treffen sich unsere Blicke, diesmal lächeln wir uns an. Obwohl wir beide in einer gänzlich anderen Normalität leben.

Ich spüre meinen Magen, der noch kein richtiges Essen am heutigen Tag bekommen hat und grabe nach Kräckern in meiner Tasche. Plötzlich taucht der Junge wieder in meiner Nähe auf. Die Kräcker hat er noch nicht bemerkt. Mit einem fragenden Blick deute ich der Mutter an, ob ich ihm die Kräcker anbieten darf. Sie nickt.

Meine Kräcker scheinen dem kambodschanischen Jungen zu schmecken

Der kleine Mann nimmt sich ein paar Kräcker, um dann flugs wieder zu verschwinden. Fröhlich zeigt er seiner Mutter die Beute. Zwei Kräcker gibt er an seine Freunde ab. Den Rest futtert er selbst. Wieder lächeln wir uns an.

Szenenwechsel…

Plötzlich steht eine Großmutter mit einem Baby auf dem Arm vor mir. Auch wir lächeln uns an. Ich kann nicht umhin und frage sie, ob ich sie fotografieren darf. Sie freut sich und hält den süßen Fratz stolz in die Kamera. Der Fratz und meine Kamera fixieren sich gegenseitig.

Stolz hält die Großmutter ihren Enkel auf dem Arm

Danach legt sie das Baby behutsam in eine Hängematte und bindet einen Krama Schal darüber, um es vor der brütenden Sonne zu schützen. Sanft schaukelt sie die Hängematte hin und her während sie das Baby in den Schlaf singt. Die Zeit scheint still zu stehen – Idylle pur.

Das kleine Baby schläft friedlich in der Hängematte vor dem Ta Prohm Angkor TempelDie Großmutter knüpft zum Schutz vor der Sonne ein Tuch über die HängematteHängematte mit einem Tuch zum Schutz vor der SonneGlückliche Großmutter am Ta Prohm Tempel - sie schaukelt ihren Enkel in einer Hängematte

Mittlerweile sind die anderen zurück von ihrem Besuch des Ta Prohm Tempels und es ist Zeit zu gehen. Als ich mich von der Großmutter verabschiede bietet sie mir noch ein T-Shirt aus ihrem kleinen Sortiment an. Aus einem Reflex heraus lehne ich ab. Mein Kopf macht dicht, weil ich auf den Kauf eines Shirts nicht vorbereitet bin. Es ist wohl die Angst vor der Situation, wenn ich mir verschiedene Shirts zeigen lasse und ich keins davon so richtig mag. Dann fällt es mir weitaus schwerer, nein zu sagen. Stattdessen frage ich, ob ich eine Wassermelone kaufen könnte. Aber gerne doch! Sorgfältig geschält und in Scheiben geschnitten bekomme ich die Melone. Und obendrauf noch zwei Servietten. Ich zahle einen Dollar, bedanke und verabschiede mich und gehe rüber zu den anderen. Wir fahren los. In den Ohren das sonore Geräusch des Tuk Tuks freue ich mich über den kühlenden Fahrtwind.

Schneiden einer Wassermelone am Ta Prohm Tempel

Doch wirklich zufrieden bin ich nicht – im Gegenteil, ich ärgere mich über mich selbst. Da lassen sich wildfremde Menschen bereitwillig von mir fotografieren und ich bin noch nicht einmal in der Lage, etwas Angemessenes dafür zurückzugeben. Warum habe ich, verdammt nochmal, nicht wenigstens ein T-Shirt gekauft? Kurz huscht der Gedanke einfach umzudrehen durch meinen Kopf. Doch freuen sich die anderen auf das Mittagessen und ich will sie nicht unnötig warten lassen. Also beschließe ich, gedanklich das Ganze erst einmal beiseite zu legen. Vielleicht ergibt sich ja noch eine passende Idee.

Nach dem Mittagessen und zwei weiteren Angkor-Tempeln bin ich wieder im Gästehaus und lasse den Tag Revue passieren. Ich schau mir die Fotos an, checke meine Mails und Facebook. Wie gewohnt scrolle ich den Newsfeed entlang und bleibe plötzlich bei einem Beitrag von JP Klovstad hängen. Ja genau, JP, der norwegische Fotograf, der unter anderem viel in Kambodscha unterwegs ist! Von ihm weiß ich, dass er Kinder, die er fotografiert, eine Zeitlang später noch einmal besucht und ihnen eine Auswahl ihrer Fotos schenkt. Bestimmt sind es Kinder, die, wenn überhaupt, eher selten ein Foto von sich haben. Eben weil sich die Eltern keine Kamera oder Smartphone leisten können.

DAS IST ES!

Projekt „Foto-Verschenken-Tour“

Just in diesem Moment weiß ich, was ich zu tun habe! Ich werde noch einmal an diesen Ort zurückkehren und die schönsten Fotos ausgedruckt als Geschenk mitbringen. Und das Wichtigste: Ich werde ein T-Shirt kaufen! [edit 05.06.2017: Der Artikel zur Foto-Verschenken-Tour“ ist jetzt auch endlich hier im Blog online: „Die Foto-Verschenken-Tour in Siem Reap – ein Projekt“.

Absolute Lese-Empfehlung

Ich freue mich, wenn du den dazugehörigen Artikel Warum Kinder betteln in Siem Reap und was du dagegen tun kannst ebenfalls liest und ihn vielleicht sogar mit deinem Netzwerk teilst. Dankeschön :-)

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