Lange habe ich überlegt und vor mich hingegrübelt, ob und wie ich diesen Artikel schreibe. Wer mich kennt, weiß, dass mich der Umstand bettelnder und verkaufender Kinder in Siem Reap schon lange beschäftigt. In all meinen Interviews stelle ich die Frage, ob und was man als Tourist gegen die Armut in Kambodscha tun kann. Immer wieder höre und lese ich die einhellige Meinung, bloß nichts von Kindern zu kaufen und ihnen auf keinen Fall Geld zu geben, wenn sie betteln. Die Kinder würden nicht zur Schule gehen und kommen aus dem Teufelskreis der Bettelei nicht heraus. Lieber soll man soziale Organisationen vor Ort aufsuchen und diese unterstützen. Soweit nachvollziehbar. Doch je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger bin ich mit der Antwort zufrieden. Natürlich ist es gut, wichtig und richtig, bettelnden Kindern nichts zu geben und soziale Organisationen zu unterstützen. Trotzdem ist mir die Antwort zu einfach, da sie das eigentliche Problem nicht löst bzw. noch nicht einmal anspricht. Denn das eigentliche Problem ist das oftmals fehlende oder nur geringe Einkommen der erwachsenen Kambodschaner.

Tourismus in Siem Reap – ein Segen für die Einwohner?

Laut einer Studie haben sich bei vielen Menschen in und um Siem Reap die Lebensbedingungen nicht merklich zum Positiven verändert, und das trotz steigender Touristenzahlen. Viele Hotels und Restaurants werden nicht von Kambodschanern betrieben, sondern von Auswanderern oder ausländischen Investoren. Die Gehälter in Restaurants und Hotels sind vergleichsweise niedrig. Meist verdient eine einfache Servicekraft gerade mal um die 100 $ pro Monat. Und das bei sechs Tagen die Woche. Manch von ihnen arbeiten sogar neun bis elf Stunden pro Tag. Teils verdienen sie also noch weniger, als die Näherinnen in den Nähfabriken in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Auch sie verdienen zweifelsohne wenig, haben aber zumindest einen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Man kann also nicht behaupten, dass der Tourismus ein allumfassender Segen für die Einwohner in Siem Reap und Umgebung ist.

Hoffnung auf Arbeit in Thailand

Immer wieder gibt es Eltern, die ins Nachbarland Thailand gehen. Dies in der Hoffnung, dort mehr Geld zu verdienen, als zu Hause in Kambodscha. Dabei kommt es leider auch vor, dass sie ihre Kinder zu Hause lassen. Wenn die Kinder Glück haben, kommen sie bei Verwandten unter. Aber nicht immer haben sie dieses Glück und sie müssen sich allein durchschlagen. Chetra hat mir davon erzählt. Ich kenne ihn seit ein paar Jahren. Er arbeitet bei Free to Shine, eine australische Organisation in Siem Reap, die sich speziell um das Wohlergehen von Mädchen in den Dörfen um Siem Reap kümmert.

Dass Kinder um Geld betteln oder etwas verkaufen, kommt nicht von ungefähr. Das Dumme ist nämlich, dass ausgerechnet wir Touristen an diesem Umstand eine große Mitschuld tragen, wenn nicht sogar die gesamte Schuld. In ländlichen Gebieten, dort wo es kaum Tourismus gibt, kommen selbst arme Kinder nicht auf Idee, dich anzubetteln. Dennoch: Bei Kindern wird uns schnell warm uns Herz, wir werden weich, unser Beschützer-Instinkt ist geweckt. Vor allem in den von Touristen bevölkerten Regionen wissen die Kambodschaner das zu nutzen. Und genau aus diesem Grund siehst du bettelnde Kinder in Kambodscha. Wir Touristen sind also schuld an der Misere, weil wir nichts oder nur wenig von Erwachsenen kaufen!

Also: Lass dich nicht von bettelnden Kinderaugen betören. Denn dann lohnt es sich für Kinder nicht mehr, zu betteln oder zu verkaufen. Auch lohnt es sich für die Familien und Banden nicht mehr, Kinder vorzuschicken. Nur ist das leider nur die eine Seite der Medaille. Denn wenn niemand bei den Kindern etwas kauft, gibt es kein Einkommen. Weder für die Kinder, noch für die Familien oder dahintersteckende Banden. Dagegen hilft nur eins:

Die Lösung: Kaufe Produkte von Erwachsenen

Genau da liegt für mich die Lösung des Problems. Kaufe bewusst Produkte von Erwachsenen – ganz gleich ob jung oder alt. Plane dafür jeden Tag (oder jeden zweiten Tag) ein extra Budget ein. Halte nach Erwachsenen Ausschau, die etwas verkaufen. Zum Beispiel am Ausgang vom Ta-Prohm Tempel. Dort kann es vorkommen, dass du von Kindern regelrecht belagert wirst. Doch sind gerade dort auch viele erwachsene Händler, die ihre Waren verkaufen wollen und die Kinder gehören meist zu ihnen.

Händlerin im Angkor Archäologischen Park, Siem Reap

Bei dieser Händlerin habe ich eine kleine Vishnu Figur gekauft

Es muss nicht viel Geld sein, was du ausgibst. Ein schönes T-Shirt bekommst du schon für 3 $. Und wenn dir das zu teuer ist, bitte bedenke: Du hast das Geld für einen Angkor Pass, für mehr als ein Bier, für den Flug, überhaupt für deine Reise. In einem Mittelklassehotel bezahlst du für eine Nacht schon fast soviel Geld, wie manch ein Kambodschaner in einem ganzen Monat verdient.

Die Vision: Kein Kind muss mehr betteln in Siem Reap

Stell dir vor, jeder würde so handeln und ein extra Souvenier bei einem Erwachsenen kaufen. Kein Kind hätte mehr Erfolg beim Betteln. Dafür würden die Eltern genug Geld verdienen. Dies indem sie die Souveniers verkaufen, die sonst von ihren Kindern angeboten werden. Die Eltern hätten genug Geld, um ihre Kinder zu versorgen, um sie zur Schule zu schicken und vor allem, um sie einfach Kind sein zu lassen. Es liegt an uns, etwas zu ändern.

Also, gib dir einen Ruck und halte nach Erwachsenen Ausschau, bei denen du etwas kaufen möchtest. Auch wenn sie nicht so herzerweichend wie kambodschanische Kinder sind. Denn nur dann durchbrichst du den Teufelskreis der Armut für die Kinder, wenn du den Erwachsenen dabei hilfst, selbst Geld zu verdienen. Denn erst wenn sie merken, dass sie mehr verdienen als ihre Kinder, werden sie sie nicht mehr betteln oder verkaufen lassen. Machst du mit? Erzähle mir von deinen Erfahrungen. Vielleicht hast du ja auch noch einen Tipp. Schreib mir in den Kommentaren, ich freue mich auf den Austausch mit dir!

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