Architektur von Angkor Wat

von | Aktualisiert Jun 27, 2019, Publiziert Dec 1, 2018 | 7 Kommentare

Im majestätischen Staatstempel Angkor Wat vereinen sich die typischen Bau-Merkmale der Khmer-Architektur zu einer weltweit einzigartigen und atemberaubenden Komposition.

Allein die Vorstellung, dass das Gestein zum Bau des Monuments von der 50 km entfernten entfernen Gebirgskette Phnom Kulen stammt, ist bei näherer Betrachtung für mein Verständnis überhaupt nicht mehr vorstellbar. Vielleicht helfen uns Zahlen zu einem ersten Eindruck der prachtvollen Architektur von Angkor Wat.

Architektur von Angkor Wat & weitere Fakten

  • Erbaut während der Regentschaft von König Suryavarman II. (Regentschaft 1113 bis. ca. 1150)
  • 37 lange Jahre hat die Bauzeit von Angkor Wat gedauert.
  • Der Angkor Wat umgebende Wassergraben bildet ein Rechteck von 1.500 m Länge und 1.300 m Breite und umfasst  eine Fläche von fast  200 Hektar. Rund 185 Fußballfelder (Maximum) haben auf dem Gelände Platz.
  • Der Wassergraben ist zwischen 170 und 190 m breit, insgesamt mehr als 5 km lang und hat eine Oberfläche von gut einem Quadratkilometer.
  • Das dreiteilige aus Sandstein erbaute Haupteingangstor im Westen (Gopuram) stellt das Zentrum von Angkor Wat in verkleinerter Form als eine Art Vorschau dar, ist dabei aber größer als alle anderen Tore.
  • Der Steinweg vom westlichen Gopuram ist 250 m lang und 12 m breit.
  • Die aus Laterit bestehende Außenmauer  von Angkor Wat umfasst eine Fläche von 1.025 m Länge und 800 m Breite Meter.
  • Rund 2.000 Apsara- und Devata-Figuren schmücken die Wände von Angkor Wat.
  • Die kunstvollen Flachreliefs an den Außenwänden der 3. Einfassung sind ca. 1.000 qm groß.
  • Jede der 3 Terrassen ist etwa halb so breit und doppelt so hoch wie die darunter liegende.
  • Nur die oberste Terrasse des dreistufigen Tempelbergs ist quadratisch.
  • Die beiden unteren Terrassen sind durch ihre Ausrichtung nach Westen hin rechteckig.
  • 4 Ecktürme umschließen den 43 m hohen Zentralturm in ihrer Mitte. Ihre Form entspricht Lotusblüten (Prasat). Zusammen bilden die Türme einen Quincunx (Oder Quinkunx – Anordnung von 5 „Punkten“ – z.B. auf einem Würfel).
  • Der zentrale Tempelberg steht auf einer eigenen Plattform mit einer Fläche von 215 m Länge und 187 m Breite. 

Bibliotheken und Kreuzgalerien

Der aus 3 Terrassen bestehende künstliche Tempelberg ist der erste seiner Epoche, der nicht Shiva geweiht war. Auf der ersten Terrasse und auf dem Dammweg dorthin galonieren jeweils zwei Bibliotheken.

[column size=one_half position=first ]Angkor Wat Architektur - Bibliothek am Wasserbecken[/column]

[column size=one_half position=last ]Angkor Wat - Bibliothek, Architektur[/column]

Die Kreuzgalerie auf der ersten Terrasse direkt hinter dem Gopuram im Westen gilt als architektonisches Meisterwerk. Die 4 sich kreuzenden und nach Norden und Süden offenen Galerien bilden 4 Höfe mit Wasserbecken, welche wahrscheinlich für Fruchtbarkeits-Zeremonien genutzt worden sind.

Bedeutung architektonischer Elemente von Angkor Wat

Schauen wir bei Maurice Glaize nach, erhalten wir diese Informationen:

  • Der den Tempelkomplex umgebende Wassergraben symbolisiert den Ur-Ozean.
  • Der Tempelturm Angkor Wat symbolisiert den Berg Meru – das Zentrum des Universums.
  • Die 7 Ringe des Zentralturms verkörpern die 7 Bergketten von des heiligen Bergs Meru.
  • Ebenso steht dort geschrieben, dass die 3 Terrassen den drei Elementen Erde, Wasser und Wind entsprechen und dass auf ihnen der kosmische Berg ruht.
  • Angkor Wat ist nach Westen ausgerichtet und somit höchstwahrscheinlich ein Grabtempel für König Suryavarman II., dem Erbauer von Angkor Wat. Dies wäre der einzige Tempel der bereits zu Lebzeiten seines Erbauers für seine Weihe und als Aufbewahrungsort für seine Asche gebaut worden ist. Untermauert wird diese These durch den Umstand, dass die Galerien der Basreliefs nicht der Sonne sondern in entgegengesetzter Richtung folgen. Also der Richtung in Begräbnis-Riten.

Meine eigene Interpretation der Architektur

Obwohl ich ja alles andere als eine waschechte Historikerin bin, hab ich da ja noch so eine eigene Interpretation zur Bedeutung der Architektur von Angkor Wat. Als da wäre: Zweimal im Jahr geht die Sonne zur Tag und Nachtgleiche genau über dem zentralen Turm in der Mitte des Quincunx von Angkor Wat auf. Ein wahrlich einmaliges Spektakel zur Manifestierung der Göttlichkeit von König Suryavarman II.

Nur lässt sich dieses Spektakel naturbedingt halt nur von Westen und nicht von Osten bewundern. Warum aber sollte ein König, der unbedingt seine kolossale Macht und Göttlichkeit demonstrieren will, darauf verzichten und den Haupteingang von Angkor Wat im Osten erbauen lassen?

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass König Suryavarman II. zuallererst die Demonstration seiner eigenen  unermesslichen Göttlichkeit wichtig gewesen sein muss. Und erst im zweiten Schritt, als sich nämlich herausgestellt hat, dass für die perfekte Inszenierung seiner Göttlichkeit allein ein Haupteingang im Westen geeignet ist, ergibt sich beim baulichen Konzept die zusätzliche Weihung als Grabtempel. Ohne diese Weihung wäre der König sicherlich in Erklärungsnot geraten, da die Ausrichtung nach Westen ja typisch ist für Begräbnisriten. Insofern blieb ihm gar nichts anderes übrig. Und damit dann auch alles seine Richtigkeit hat, lässt er die Reliefs an der ersten Terrasse so ausrichten, dass sie gegen den Uhrzeigersinn gelesen werden. Damit wäre dann auch erklärt, warum ausgerechnet Angkor Wat als Grabtempel zu Lebzeiten eines Königs deklariert worden ist. Und das als jemals einziger seiner Art.

Angkor Wat als Theaterbühne nach Reinhart Zieger

Reinhart Zieger betrachtet die Architektur von Angkor Wat einfach als gigantische Theaterbühne, die allein als rituellen Schauplatz für den Besuch des Königs beim Gott Vishnu dient. Der König zieht mit seinem Gefolge durch das Westtor ein und schreitet über die imposante Stein-Promenade bis zur Kreuzgalerie auf der ersten Terrasse. Hier bleibt sein Gefolge zurück, während er weitergeht und bis auf die höchste Stufe hinauftsteigt. Dort ist der König mit dem Gott Vishnu allein, ihm nah und betet ihn an.

Die architektonische Ausrichtung nach Westen begründet Reinhart Zieger so: Angkor Wat steht dem Shiva-Tempel Phnom Bakheng gegenüber und ist diesem also zugewandt. Eine Abwendung von Shiva käme einem Affront Shivas gleich. Von der Tatsache, dass es sich bei Angkor Wat um einen Grabtempel handeln soll, habe ich in seinen beiden Büchern Einladung nach Angkor und Angkor Taschenbuch wiederum nichts gelesen.

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[/alert]

Und die Moral von der Geschicht: Nichts Genaues wissen wir nicht, oder vielleicht doch? Vieles wird für immer ein Rätsel sein. Aber das ist auch gut so. Denn nur so lässt sich Angkor Wat in seinem ganzen Zauber erleben.

Weitere Infos zu Angkor Wat, Angkor Park und den Angkor Tempeln

Speziell über Angkor Wat habe ich für Dich weitere Infos auf diesen Seiten zusammengestellt:

Infos zum Angkor Park mit Eintrittspreisen, Kleidung, Tourguide, Verhaltensregeln im Angkor Park, Tuk Tuk & Co. und zu den einzelnen Angkor Tempeln bekommst Du hier:

[column size=one_half position=first ]Angkor Park - Button sidebar[/column]

[column size=one_half position=last ]Angkor Tempel - Button Sidebar[/column]

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Inga

Autor

I love Cambodia, its culture, its people and with this blog I want to share my fascination for this country with people all over the world.

7 Kommentare

  1. Ja normal schreibe ich nie aber ihr Document Bericht hat mich sehr überzeugt würde gerne ihnen mitteilen was ältere Menschen in Cambodia über den Tempel wissen und das es einen Vorläufer für Planungen gibt über die zukünftige Bebauung Anghor Wats
    Mfg Norbert

    Antworten
    • Hallo Norbert,
      das hört sich ja spannend an. Ja, sehr gern. Freue mich auf die Infos. Gern auch an meine E-Mail Adresse: inga@visit-angkor.org.
      LG :) Inga

      Antworten
  2. Hallo Inga

    Der Tempel hat absolut nix mit Totenkult zu tun. Es ist ein Tempel des streben nach Vollkommnung oder Erleuchtung. Denn man geht vom Westtor ins Licht (Sonnenaufgang).
    Es gibt noch viel mehr Verborgene Sachen wie zb 3-4-5 und 144 , 216

    Lg Maik

    Antworten
    • Hallo Maik, ja – so ganz genau werden wir es wohl nie erfahren. Ich tendiere auch in Deine Richtung, hab ich ja auch im Artikel beschrieben. Aber genau das ist ja das Spannende an der Geschichte von Angkor Wat und überhaupt von Angkor und seiner Geschichte. Bist Du öfter in Kambodscha? Ich bin im März wieder da und freu mich tooootal. Zu den Zahlen: Meinst Du den Satz von Pythagoras?
      LG :) Inga

      Antworten
  3. Hallo Inga

    Ja den Satz vom Pythagoras aber Philosophisch. DerTempel hat 3 Ringe,
    4 Türme im 2 Ring und 5 Türme in der Mitte.
    3 zu 4 zu 5. Das bedeutet der Geist der in der Materie nach Vollkommnung sucht.
    Auch die Abmessungen sind sehr auffällig wenn man sie in Kambodschanische Elle umrechnet, da kommt die hellige Geometrie
    zum Vorschein und noch viel viel mehr.
    Zum Beispiel die Länge des Grabens sind umgerechnet 4×840=3360 und die breite 2×1440=2880
    Ich bin erst vor einiger Zeit durch ein Foto von der Steinstruktur neugierig geworden.
    Sie sind identisch mit den in Ägypten, Inkas, Japan usw.

    Antworten
    • Hallo Maik,
      das liest sich ja mega spannend! Hast Du einen Link wo ich mir das Foto anschauen kann? Und: Welche Bedeutung haben die Zahlen 3360 und 2280?

      Vielleicht ist es ja auch alles eine „Mischung“. Zum einen Angkor War als Grabtempel wegen der westlichen Ausrichtung und den gegen den Uhrzeigersinn zu lesenden Reliefs aber gleichzeitig auch ein Symbol der Unsterblichkeit und Verbindung mit dem Göttlichen und gesamten Universum. Was meinst Du dazu? Und: Ich habe mal eine Reportage gesehen, wo ein Bezug zwischen den alten Monumenten auf der ganzen Welt hergestellt wurde. Immer hatte die Sonne eine ganz besondere Bedeutung und ging an ganz bestimmten Tagen an ganz bestimmten Stellen über diesen Monumenten auf. Soooo spannend das alles.
      LG Inga

      Antworten
  4. Hallo Inga

    hier mal den Link https://www.youtube.com/watch?v=DHZJwTtSLSw von den Mauernstrukturen die man zb in Machu Picchu, Ägypten, Osterinseln,
    Japan und Angkar Wat findet. Dazu muss ich erwähnen, dass jeder Stein ein Unikat ist und jede Steinschicht hat eine ander Höhe. Diese Struktur ist unheimlich erdbebensicher. Ich hab auf deiner Seite viele solcher Stukturen sehen können zb. bei Impressionen vom Ta Prohm Tempel Foto 3, 6 und das Foto wo du vor den Baum stehst. Im Hintergrund oberhalb des Fensters. Was mir noch aufgefallen ist, sind die wunderschönen Säulen.
    Bei genauerem Betrachten muss ich mich fragen: Wie konnten sie Sandstein drechseln? Das ist heutzutage sehr sehr aufwendig. Oder diese Statuen und Hochreliefarbeiten in dieser SUPER Qualität. Ich habe mich schon in Ägyten gefragt, wer hat das gemacht und mit welcher Technik. Ich selber arbeite in dieser Branche, also der Natursteinbearbeitung. Wir können das heute in dieser Präzision (im zehntelbreich), in den großen Ordnungen der Steine NICHT. Dazu braucht man Hightech.

    Zur Angkor Wat Anlage bin ich der Auffassung, dass das auf jeden Fall mit kosmischem, Göttlichem und der Unsteblichkeit zu tun hat aber nix mit Grabtempel.
    Da ist so viel Wissen verborgen, das sprengt unser Vorstellungsvermögen.

    Nun zu den Zahlen 2880 und 3360
    Ausdehnung des Urgewässers
    äußere Abmessung: Länge : 3360 E = 4 x 840
    Breite : 2880 E = 2 x 1440
    innere Abmessung: Länge : 2520 E = 1440+1080
    Breite : 2040 E
    beide Umfänge : 21600 E
    Nettofläche : 4.536000 E Quadrat
    Breite des Gewässers N-S : 840 E
    Breite des Gewässers O-W : 840 E

    Die 2880 oder 2 x 1440 ist eine göttliche Zahl und die 3360 meint das Irdische 360.
    Da verbirgt sich 4 dahinter, die Materie.
    Mit den inneren Abmessungen zusammen werden transiente Felder symbolisiert.
    Wo Götter in göttlichen Feldern entstanden, wohnten und wo sie dann in die Materie gekommen sind. Es verbirgt sich noch was anderes dahinter, denn mit den Zahlen 2880 und 3360 kann ich den Schöfungsprozess ableiten. Es gibt eine kosmische Ordnung!
    Die 1440 und 3600 begegnet uns jeden Tag. Die Stunde hat 3600 Sekunden, der Tag hat 1440 Minuten. Seltsam ist, dass wir die Zeit von den Sumerern übernommen haben. In alten Indien (Vedisches Zeitalter) und bei den Mayas (Mayakalender) taucht auch die Zahl 144000 auf nur mit mehr Potenzial (0).

    LG Maik

    Antworten

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Wer schreibt hier?

Inga Palme - Portrait Schön, dass Du hier bist! Ich bin Inga - seit 2010 reise ich jedes Jahr nach Kambodscha und bin immer wieder neu verliebt. Hier auf Visit Angkor gebe ich Dir zusammen mit Rüdiger Tipps für Deinen Aufenthalt in Kambodscha und wir erzählen Dir von unseren persönlichen Erlebnissen im Land der Khmer. Weitere Infos über uns und Visit Angkor findest Du auf dieser Seite. Viel Spaß :-)

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