„Fahr nochmal zurück. Hab gerade im Vorbeifahren eine total dünne Kuh gesehen. Kann mir gar nicht vorstellen, dass sie auf ihren dünnen Beinen überhaupt noch stehen kann. Das will ich mir näher anschauen …“

Es ist ein schöner Tag im November 2018. Eigentlich sind Manuela und Eric auf dem Weg zum Tonle Sap zu den schwimmenden Dörfern und den Häusern auf Stelzen. Tonle Sap, der See im Süden von Siem Reap. Doch viel weiter als bis zur dünnen Kuh werden sie an diesem Tag nicht kommen. Und auch an vielen weiteren Tagen wird das so bleiben.

Denn zur dünnen Kuh gehören noch Mr. Jing und seine 3 Töcher Nika, Panha und Sreyorn. Sein Sohn Chom und der Großvater gehören auch noch dazu. Und ein Hahn mitsamt Hühnergefolgschaft, alle nicht ganz so dünn wie die Kuh. Vor einigen Jahren ist die Frau und Mutter der gemeinsamen 4 Kinder verstorben. Selbst heute noch, wenn Mr. Jing lächelt – seine Augen sprechen eine andere Sprache.

Mr. Jing ist Gelegenheitsarbeiter auf Baustellen – heißt: Ein geregeltes Einkommen ist nicht vorhanden. Der Großvater sitzt meist einfach so herum. Und wenn er das nicht tut, dann kümmert er sich ein wenig um den Haushalt. Mehr braucht er als Großvater auch nicht zu tun. Die beiden Töchter Nika und Panha und der Sohn gehen noch zur Schule. Ausbildung ist wichtig, findet Mr. Jing. Richtig so, finden Manuela und Eric.

Schnell fassen sich die Beiden ein Herz. Sie wollen helfen. Die Kuh muss dicker werden und auch die Familie braucht eine Perspektive. Doch wie? Wo anfangen? Viele, sehr viele offene Fragen …

April 2019 – ich bin in Siem Reap. Manuela und Eric fragen mich, ob ich mit zu Mr. Jing und seiner Familie fahren möchte. Klar doch, ich komme mit! Auf dem Weg dorthin machen wir einen Schlenker und nehmen noch Mr. Sokun mit. Ihm bescherte seinerzeit das Schicksal ein Stipendium in Frankreich – die Ausbildung hat er mit Top-Noten bestanden. Mittlerweile betreibt Mr. Sokun eine kleine Bäckerei mit französischen Leckereien in Siem Reap. Heute ist er als Dolmetscher dabei. Als Mitbringsel noch 2 Taschen mit köstlichen duftenden Backwaren aus seiner Rezeptur. Für Mr. Jing und seine Familie.

An der Hütte angekommen, stellt Mr. Sokun die beiden Taschen auf einen Tisch. Was heißt Tisch – ein Irgendwas aus Holz, was höher ist als der Boden. Niemand aus der Familie beachtet die Taschen. Es gibt Wichtiges zu besprechen. Ein alter Brunnen soll ausgebaut werden, für den täglichen Wasserbedarf und zur Bewirtschaftung des Feldes. Das Leben ist alles andere als gesund: Die Familie lebt von dem Wasser aus einem Teich, der während der Trockenperiode nahezu austrocknet. Ein Hühnerstall soll entstehen. Andere Fragen, neue Fragen. Immer noch viele Fragen.

Ich schau mich um, mache Fotos. Vom Herd, von den Hühnern. Vom Hahn. Seltsam: An die Kuh denke ich gar nicht. Ein Umstand, der mir erst später auffällt. Ein klein wenig verloren komme ich mir schon vor, während die Erwachsenen – mit Ausnahme des Großvaters – in einiger Entfernung die Lage besprechen. Der Großvater winkt mir zu, ich soll mich zu ihm setzen. Da sitze ich nun, auf einem Etwas. Vor mir auf dem Boden ein dampfender Kessel auf einem Ofen. So wie es aussieht, sitze ich in der Küche.

Die Kinder sprechen kein Englisch, ich kaum Khmer. Also mach ich einfach Fotos von ihnen, viele Fotos. In dem kleinen Display zeige ich ihnen die Aufnahmen. Plötzlich bekomme ich eine ganz dicke Umarmung. Kindlich unschuldig fühlt es sich an.“I love you“, höre ich sie sagen. Die wohl fast einzigen englischen Worte, die sie kennt.

[update 26.02.2020] Soeben habe ich eine Nachricht erhalten, dass es einen ganz geheimen Überraschungsgast für Manuela und Eric gibt, der sich auf dem Weg nach Siem Reap befindet und morgen am Haustor von den Beiden „klingeln“ will. Das Beste: Dieser Gast will beim Projekt mithelfen. Wer das ist, darf ich nicht verraten. Freu mich jetzt schon wie ein Brötchen :-)

Heute im Februar 2020 – die dünne und in der Zwischenzeit etwas dickere Kuh ist verkauft, der Hühnerstall ist fertig und der Brunnen funktioniert wieder. Ein paar weitere Hühner und auch 2 Enten wurden gekauft. Weiterhin eine Dachrinne und ein Wasserauffangbehälter für mehr Wasser während der Regenzeit. Ein Solarpanel. Ersetzt die alte Glühbirne, die mehr kostete als sie leuchtete. Das Geld ist vom Verkauf der Kuh, von Manuela und Eric und von Spendern. Mehr Eier gibt es jetzt. Und die, die übrig sind, lassen sich gut verkaufen.

Einiges ist bereits geschafft. Jetzt steht ein neues Projekt an: Die Hütte wird immer zerbrechlicher und muss renoviert werden. Am besten noch vor der kommenden Regenzeit. Ein großes Problem in Kambodscha. Die Hütten, die der Regen und der Wind mit Leichtigkeit hinwegfegt. Wenn Du helfen magst, dann kannst Du spenden. Bei Leetchi gibt es einen Aufruf. Insgesamt braucht es 400 $. Bislang ist die Hälfte des Geldes eingegangen. Fehlen noch 200 $. Wenn Du mehr wissen möchtest, dann frag einfach Manuela. Ihr Profil findest Du auf Facebook. In meiner kleinen Kambodscha Gruppe ist sie auch.

März 2019 – die Gespräche sind beendet. Schnell noch ein Gruppenfoto. Auch der Großvater steht auf. Fotos sind schließlich eine wichtige Sache. Wir verabschieden uns von der Familie und fahren los.

Ich schau nochmal zurück und sehe, wie alle sich – auch der Großvater – um die Taschen mit dem duftenden Gepäck scharen. Strahlende Freude macht sich auf ihren Gesichtern breit. Dankbarkeit pur. Für diesen Moment. Mit ein klein wenig Gebäck.

Projektseite zum Spenden auf der Plattform Leetchi

Auf der Projektseite kannst Du alle Informationen in deutscher, englischer und französischer Sprache nachlesen.

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