Wenn du Katzen liebst, kommst du nicht um einen Besuch bei den Pagoda Cats von Josette Vanneur herum. Glaub mir: Genauso wie ich, wirst du ihr Refugium für Minitiger, Fellnasen & Co. fest in deinem Herzen verankern. Ein einmaliges Erlebnis!

Um halb neun am Morgen bin ich mir Mr. Ratha verabredet. Bereits mehrere Jahre ist er für Madame Vanneur als Tuk Tuk Fahrer unterwegs. Zum Beispiel dann, wenn es heißt, Interessenten zur auserkorenen Cats Pagoda in Siem Reap zu bringen. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Ich bin wahnsinnig neugierig auf das, was mich erwartet und genieße den lauen Fahrtwind während ich meinen Gedanken nachhänge. Plötzlich hält Mr. Ratha an und kurze Zeit später steigt eine aparte, an Jahren reifere Dame zu mir ins Tuk Tuk. „Hi Inga, nice to meet you – I am Josette Vanneur“. Flugs nimmt sie mir gegenüber Platz, während sie Mr. Ratha im Stakkato die aktuellen Ereignisse mitteilt. Ihre Stimme ist rau – untermalt von ihrem französischen Akzent, während sie englisch spricht. Obwohl ich kein französisch spreche, liebe ich diese Sprache und meine Ohren lauschen freudig ihren Worten.

Die Fahrt geht weiter Richtung Pagode und Josette widmet sich mir mit voller Aufmerksamkeit. Ach ja, die Katzen – so viel Arbeit. Aber sonst kümmert sich ja niemand. Und wenn doch, dann ist’s nicht richtig. Meistens jedenfalls. Es sei halt Brauch, dass die Khmer ihre Haustiere, mit denen sie nichts anfangen können, in eine Pagode geben. Nicht selten werden dort neben Katzen auch Hunde und manchmal sogar Schweine abgegeben.

Mönch - Pagoda Cats, Siem Reap

Zwar kümmern sich die Mönche um die Tiere, aber in der Regel haben sie überhaupt keine Ahnung, wie man sie richtig füttert. Die Regel ist, dass Mönche einfach ihre Essensreste verfüttern. Und das auch nur mehr oder weniger sporadisch, weil sie selbst kein regelmäßiges Essen haben. Eine Kost also, die für Hunde- geschweige denn Katzenmägen alles andere als geeignet ist. Und die Tiere bei Krankheit zu behandeln ist erst recht nicht das Ding von Mönchen, ganz zu schweigen von Kastrationen und Sterilisationen. Nicht wirklich förderlich, um die Population der Vierbeiner im Rahmen zu halten. Aber in ihrer Pagode wissen die Mönche jetzt um die richtige Behandlung. „Die Mönche hier in der Cats Pagode sind eine große Hilfe“, erzählt mir Josette mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Doch Madame ist aufgeregt. Denn erst gestern sind wieder zwei ihrer Lieblinge gestorben. Trotz hingebungsvoller Pflege haben sie es nicht geschafft. Aber so sei das nun einmal – dafür hat sie auf der anderen Seite viele Katzen retten können.

Aufgeregter Begrüßungskorso und endlich das ersehnte Futter

An der Pagode angekommen soll ich meine Kamera bereithalten, denn gleich beginnt ein einmaliges Schauspiel – so ihre hektischen Worte, als sie sich leichtfüßig aus dem Tuk Tuk schwingt. Die tägliche Fütterung ist das Highlight des Tages für Katz und Hund und es dauert eine Weile, bis sie sich zwischen all dem schnurrenden und schwanzwedelnden Getier ihren Weg durch das Getümmel bahnt. Währenddessen verteilt Madame vereinzelt extra Begrüßungen. Hier ein Knuff, dort ein Schmuser – ich bekomme eine Ahnung, wie sehr ihr all die Tiere am Herzen liegen.

Von jetzt an geht alles schnell. In Windeseile verteilen Josette und Mr. Ratha eine Schale nach der anderen auf dem Boden und befüllen sie mit Futter. Dabei achten sie ganz genau darauf, dass jeder genau das zu Fressen bekommt, was sowohl alters- als auch artgerecht ist. Wie zum Beispiel spezielle Milchnahrung für die ganz kleinen Kätzchen.

Während des Spektakels traue ich meinen Augen nicht. Nicht ein Knurren oder Rangeln ist zu vernehmen. Alle warten geduldig, bis ihre Schälchen mit den begehrten Leckereien endlich gefüllt sind. Das muss an diesem mystischen Ort der Pagode liegen, erklärt mir Madame auf meine Frage.

Selbst Animositäten dürfen ausgelebt werden. Wie bei Queen Elisabeth, eine rot-weiß gescheckte Katze. Sie besteht auf einen eigenen Futterplatz, sonst rührt sie kein Futter an. Den bekommt sie – oben auf der Balustrade der Veranda – und das jeden Tag. Dort oben frisst sie in Ruhe, ohne ihre Artgenossen auch nur eines Blickes zu würdigen.

Madame Josette erzählt von Mr. David Bowie, der immer wieder Bestätigung sucht und nach einer Extra-Streicheleinheit verlangt. Den Namen verdankt der Hund dem Umstand, dass David Bowie an dem Tag starb, als er in die Pagoda kam.

Frankreich – Japan – Kambodscha

Wie sie nach Kambodscha gekommen ist, möchte ich wissen. Sie hat viele Jahre in Japan gelebt – die ersten davon mit ihrer Katze, die sie aus Paris mitgenommen hat.

Ja Paris …

Viele Jahre ist’s nun her. Zu der Zeit hat sie in der  Filmbranche gearbeitet. Eines Tages packte sie in Japan die Reiselust – ihre Katze war in der Zwischenzeit im stolzen Alter von 15 Jahren verstorben – und sie besuchte Kambodscha. Sofort sind ihr die vielen Katzen aufgefallen. Unterernährt, krank, verletzt … Nicht alle, doch immerhin so viele, dass Josette spontan beschloss, von Japan nach Kambodscha umzusiedeln. Gleichzeitig verliebte sie sich in das Land und seine Menschen. Sie fühlte sich direkt zu Hause, obwohl sie damals, als es sie vor Jahren von Paris nach Japan zog, das Gleiche schon einmal gedacht hatte. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sich ihr Leben noch einmal komplett wandelt und es sie eines Tages nach Kambodscha verschlagen wird.

Ich beobachte Josette und höre ihr aufmerksam zu, während sie mit ganzer Seele ihre Geschichte und die vielen Geschichten drumherum erzählt. Währenddessen wandert eine Katze nach der anderen durch ihre sorgsamen Hände. Manche sind so winzig, dass sie daraus kaum hervorschauen. Nase putzen, Augen und Ohren reinigen, Zecken entfernen … Trotz all der Mühe, die sie mit ihren Schützlingen hat, spüre ich, dass Josette ihren Platz im Leben gefunden hat. Eine Passion, die sie sicherlich bis zum letzten Atemzug in Bewegung hält. Auf solche Menschen zu treffen, berührt mich immer zutiefst und ich bewundere sie um ihre nicht enden wollende Leidenschaft für das, was sie tun. Wobei das Leid in ihrem Tun mit Sicherheit einen erheblichen Anteil mit sich bringt. Das Leben ist halt irgendwie doch kein Ponyhof, so sehr wir es uns auch wünschen.

Pagoda Cats - Siem Reap, Josette VanneurJosette Vanneur - Pagoda Cats, Siem ReapKatzen füttern - Pagoda Cats Siem Reap Katzenkörbchen aus Karton in der Cats Pagode in Siem ReapKatze Pagoda Cats - Siem ReapHunde und Katzen in der Cats Pagoda in Siem ReapKatze in meinem Rucksack - Pagdoda Cats, Siem Reap
Nach gut einer Stunde ist alles vorbei. Die satten und versorgten Vierbeiner käbbeln sich untereinander, lümmeln auf dem durch die Sonne gewärmten Boden und trollen sich nach und nach ihres Weges. Ich schieße noch ein paar Fotos während Madame mir noch das Katzeninterieur auf der Veranda zeigt. Selbstgebaute Rückzugskörbchen aus Karton, Käfige für kranke Tiere und Neuankömmlinge – hier herrscht Queen Elisabeth -, eine blaue Transporttasche für den Weg zum Doktor oder zu Josette nach Hause. Dort kümmert sie sich um die Tiere, die ganz besondere Pflege brauchen. Doch nun ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Madame hat heute noch Vieles zu erledigen.

R.I.P. Petite Madame Inga

Zu dem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass es wenige Augenblicke später eine Petite Madame Inga geben wird (eigentlich ein Katerchen, doch das haben wir erst später festgestellt). Einen kleinen Stromer, den ich laut plärrend und nicht weit entfernt von der Pagode auf einer Bank entdecken und ins Herz schließen sollte. So sehr, dass ich ihn sofort in die Obhut von Josette bringe. Für Futter und medizinische Versorgung komme ich auf.

Petite Madame Inga - Pagoda Cats, Siem Reap

Doch manchmal ist das Schicksal ein richtiges Arschloch …

Es ist Sonntag, der 26. November und ich bin wieder in Deutschland, als mich um vier Uhr am Morgen die Nachricht vom Tod meines Findelkätzchens erreicht. Ein Mönch findet zwei tote Kätzchen auf dem Pagodengelände. Eine davon ist Petite Madame Inga. Vermutlich ein Virus, denn äußere Verletzungen sind nicht zu sehen. Ich bin traurig. Aber es tröstet mich, dass die letzten Tage mit Sicherheit die schönsten in seinem kurzen Katzenleben gewesen sind.

Pagoda Cats unterstützen

Das Futter, Sterilisationen, Medikamente und vieles andere mehr gehen ins Geld und Josette freut sich über jegliche Unterstützung. Vor allem Spenden für Futter. Aber auch Volunteere, die die Katzen und Hunde sterilisieren und kastrieren. Wenn du spenden möchtest: Infos zum Spendenkonto findest du auf ihrer Website Pagoda Cats Siem Reap. Dort gibt es auch noch viele weitere Infos über dieses tolle Projekt!

Pagoda Cats besuchen

Du kannst die Pagoda Cats zur allmorgendlichen Fütterung besuchen – Josette freut sich. Zwar ist der Besuch an sich kostenfrei, aber Josette freut sich über eine Spende. Am besten nimmst du über die Website Kontakt zu ihr auf. Das Kontaktformular findest du ganz unten im Footer auf jeder Unterseite. Manchmal dauert es zwei bis drei Tage, bis sie sich meldet. Hab ein klein wenig Geduld – Josettes Schützlinge brauchen viel Zeit und genießen absolute Priorität in ihrem Leben.

Pagoda Cats auf Facebook folgen

Josette berichtet auf ihrer Facebook-Seite nahezu täglich über ihre Schützlinge. Hier der Post, den sie über meinen Besuch veröffentlicht hat. So wie es aussieht, bin ich Nummer 407  :-)

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