Kounila in Äthopien für eine Reportage

Laut dem Magazin The Phnom Penh Post gehört Kounila Keo zu den fünf beliebtesten kambodschanischen Bloggern. Wir freuen uns sehr, dass sie uns ein Interview gegeben hat mit interessanten Antworten zu unseren Fragen über Bildung und Möglichkeiten für junge Menschen in Kambodscha.

1.  Erzähle unseren Lesern etwas über Dich. Wie bist Du Journalistin geworden sind und was machst Du heute?

Mein Name ist Kounila Keo. Der Name ‚Kounila‘ wurde mir von meiner Mutter gegeben. Von Beruf bin ich freie Journalistin, aber meine Leidenschaft gehört dem Bloggen. Außerdem bin ich noch Trainer und Veranstalter. Bis ins Jahr 2010 habe ich Media & Communication an der Royal University of Phnom Penh studiert. Bereits im Jahre 2007 bewarb ich mich für Media Management- Kurse, nicht ahnend, dass ich eines Tages eine Journalistin werden würde. Ich glaube es war aber eher umgekehrt, der Journalismus fand mich. Schon während meines zweiten Studienjahres begann ich für die agence france presse und anderen ausländischen Medien zu arbeiten.

Wenn ich mal keine Nachrichten schreibe, dann blogge ich über soziale Themen und alles was Kambodscha betrifft auf Blue Lady Blog . 2007 habe ich mit dem bloggen begonnen. Es gab soviel in meinem Kopf, was ich mit der Welt teilen wollte, dass es zur einer Leidenschaft wurde. Heute schreibe ich immer noch und biete zusätzlich Kurse für junge Menschen, Hochschüler, Schüler, Künstler sowie Fachleute in Social Media und Journalismus an. In meiner restlichen Freizeit organisiere ich Veranstaltungen.

2. Welche Art von Ausbildung ist für einen Journalisten notwendig und wie schwer ist es diese Ausbildung in Kambodscha zu bekommen?

Ein Journalist muss ein breites Spektrum an Wissen und Bildung zu Themen wie Medienrecht, Landesgesetze, Politikgestaltung oder auch wie man überhaupt Nachrichten schreibt, haben und diese Liste könnte man noch fortsetzen. Theorie ist nicht genug für Journalisten, die ihr Handwerk perfektionieren wollen. Praxis ist der Schlüssel.

Kambodscha war nie stark in der Ausbildung von Journalisten und es gibt nur wenige Institute, die Journalismus-Kurse anbieten. Einige Menschen, die leidenschaftlich gerne Nachrichten für die Öffentlichkeit schreiben, streben danach, Erfahrungen, bei einer Zeitung oder Radio zu bekommen, obwohl sie nie Journalismus-Kurse belegt haben. Es ist jedoch nicht leicht in Kambodscha Journalist zu werden, wenn man noch mit dem Bildungssystem zu kämpfen hat, dass Kambodscha bisher hatte.

Von der High-School bis hin zur Universität muss unser Bildungssystem dringend verbessert werden. Nur das wird dem Land mit einer Bevölkerung von etwa 15 Millionen Menschen Wohlstand bringen. Journalismus war nie ein angesehener Beruf. Für eine Menge Leute klingt Journalismus wie ein riskantes Geschäft. Daher sind nicht viele Menschen an diesem Beruf interessiert. Diese Wahrnehmung findet man in ganz Kambodscha und in den Nachbarländern.

Es ist aber auch so, dass das Department of Media and Communication jedes Jahr vier Jahres-Stipendien für Highschool Absolventen bietet. Das Vier-Jahres-Stipendium bietet eine breite Palette von Themen, darunter Nachrichten schreiben, Public Relations, Marketing, Forschung und Multimedia-Produktionen.

3. Wie wichtig sind neue Technologien für Dich und Deine Arbeit und werden sie in der Schule ausreichend angeboten?

Neue Technologien sind für mich und meine Arbeit sehr wichtig. Ich wäre ohne sie nicht in der Lage wirklich sehr viel zu tun. Journalisten haben sich den vielen Veränderungen z.B. wie Nachrichten von Leuten aufgenommen werden, ständig anzupassen. Es ist entscheidend, dass Journalisten mit den neuesten Trends vertraut sind. Der mobilen Welt und dem Internet gehören die Zukunft des Journalismus.

Wenn Journalisten oder auch ganz normale Leute sich nicht auf dem neuesten Stand halten, werden sie sich früher oder später ausgeschlossen fühlen. Aber wie auch immer, der Bereich Technologie in Schulen ist nicht gut entwickelt und es wird sehr viel Kraft von den Politikern kosten, dieses an High-Schools und Universitäten zu verbessern.

4. Mit welchen Problemen sind junge Menschen im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Ressourcen konfrontiert?

Das größte Problem in Kambodscha ist die sehr große Kluft zwischen Reich und Arm. Es gibt nicht einmal genug Möglichkeiten für die Mittelschicht – sprich die bürgerliche Familie – sich zu entwickeln. So gesehen haben wir immer noch eine sehr kleine Mittelschicht in Kambodscha, die nur allmählich zunimmt. In Bezug auf die Frage: Viele junge kambodschanische Studenten haben wenig Zugang zu Ressourcen, wie einfacher Zugang zu Internet, moderner Unterricht in der Schule, praktische Übungen sowie außerschulische Aktivitäten.

In ländlichen Gebieten gehen viele Jugendliche nicht zur Schule, weil ihre Eltern es sich nicht leisten können Frühstück und Transportkosten zu bezahlen, da die Schulen oft sehr weit von ihrem Haus entfernt sind. Darüber hinaus gibt es nicht genug Geld, die Lehrer ausreichend zu bezahlen, sodass der Unterricht oft schlecht ist und deshalb zusätzliche Klassen für die Schüler angeboten werden, für diejenigen die mehr zahlen. Dieser Teufelskreis wiederholt sich ständig in Kambodschas Bildungssystems.

5. Das Bildungssystem steckt in zahlreichen Ländern in der Krise. Experten beklagen, dass Lerninhalte an Schulen und Universitäten nicht in der Praxis gebraucht werden. Wie ist die Situation in Kambodscha?

Was wir in Kambodscha in der Schule lernen ist nicht genug, um die wenigen offenen Stellen zu besetzen. Kambodscha braucht mehr Ingenieure und Techniker. Stattdessen sehen wir aber, dass viele junge Studenten Buchhaltung und Verwaltung, also hauptsächlich Bürobezogene Jobs vorziehen. Oft ist es schwierig für sie, den richtigen Job für sich selbst zu finden. Sie nehmen deshalb meistens erstmal Gelegenheitsjobs an, welche nicht ihren Qualifikationen entsprechen. Kambodscha braucht aber auch Investitionen in die Infrastruktur, damit ausländische Investoren gerne in dieses kleine Land investieren.

6. Was sind die Erwartungen der jungen Erwachsenen: Ist die Universität immer die beste Wahl im Leben? Wie denkst Du darüber ?

Meiner Meinung nach, wollen junge Erwachsene hier in Kambodscha in der Lage sein, die High School zu beenden, zur Universität zu gehen, die bestmögliche Ausbildung zu bekommen und danach einen guten Job finden. Viele kämpfen auch damit ihre Studiengebühren zahlen zu können und beenden ihr Studium mit dem Bachelor-Abschluss. Sie streben danach, sich selbst aus der Armut zu befreien. Leider gibt es nicht viele Jobs in Kambodscha. Dazu braucht dieses Land mehr Investitionen und Fachwissen.

7. Was denkst Du über den interkulturellen Dialog in Bezug auf unternehmerisches Denken?

Ich bin ein Verfechter des interkulturellen Dialogs im Hinblick auf unternehmerisches Denken. Nur durch einen interkulturellen Dialog werden wir vieles über andere Länder lernen können, um dann herausfinden, was davon für Kambodscha zum Beispiel nützlich sein könnte.

8. Wie könnten junge Menschen aus anderen Ländern möglicherweise helfen?

Es gibt bereits Bemühungen, junge Menschen aus anderen Ländern mit Kambodschanern in Kontakt zu bringen, indem sie sich treffen und sie sich miteinander im Dialog austauschen. Sie werden dann neuen Ideen und Gedanken ausgesetzt sein. Dabei spielt es keine Rolle, wenn man diese Ideen nicht gleich akzeptieren kann. Es ermöglicht aber einen Denkprozess in Gang zu bringen.

Deshalb habe ich mit Freunden das BlogFestAsia 2012 organisiert, um junge Blogger miteinander ins Gespräch zu bringen und ein Netzwerk unter ihnen zu schaffen. Auch können junge Kambodschaner durchaus anderen Kambodschanern helfen ihre Probleme zu lösen. Meine Freunde und ich haben unter anderem Initiativen ergriffen und eine Jugendgruppe, wie die Kon Khmer Koun Khmer (Khmer Generationen, Khmer Films) gefunden, für die wir mehrere Veranstaltungen, wie z.B ein FilmCamp organisieren (filmcampkh.org, khmertalks.com). Wir glauben, das könnte auch von großem Nutzen für (junge) Kambodschaner sein.

9. Was empfiehlst du jungen Kambodschanern aus Deiner Erfahrung?

Reisen. Viel Reisen. Akzeptiere niemals den Status quo. Mit Reisen meine ich nicht, sich ein Flugticket zu kaufen und sofort in ein Flugzeug zu steigen. Was ich sagen will ist, damit anzufangen zu beobachten, wo immer man gerade ist und das Beste aus diesen Momenten zu machen. Es spielt keine Rolle, wo man sich gerade befindet, oder mit wem man jeden Tag verbringt. Man kann immer seine Beobachtungen machen und Neues entdecken.

Außerdem ist es sinnvoll seine Erfahrungen irgendwo wie z.B in einem Blog oder ein Tagebuch festzuhalten, auch um mehr über seine eigenen Gedanken zu erfahren. Diese Reisen können für junge Kambodschaner einer lange, kurvenreiche Straße gleichen, aber jeder einzelne Augenblick ist lohnenswert.

 10. Gibt es sonst noch etwas, was Du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Ich möchte sagen, dass die Zukunft der kambodschanischen Gesellschaft auch davon abhängt, dass viele kleine und mittlere Unternehmen entstehen, die helfen die Armut zu verringern. Darauf Warten, dass Jobs angeboten werden, ist die eine Sache, aber die Schaffung von Jobs für sich und andere ist die neue Herausforderung der Zukunft.

Vielen Dank, Kounila Keo, für das Interview!

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