[update September 2018] Dr. Beat Richner ist am 9. September 2018 verstorben. Sein Lebenswerk und die damit verbundenen Krankenhäuser werden weiterhin erfolgreich betrieben.

Vor mehr als 20 Jahren wurde der Schweizer Dr. Beat Richner gebeten, das Kinderkrankenhaus Kantha Bopha in Phnom Penh wieder aufzubauen. Er kam dem Wunsch nach und nun – viele Jahre später – werden in seinen mittlerweile fünf Kinderkrankenhäusern 85% aller kambodschanischen Kinder behandelt. Und in der Maternite werden täglich 50 Kinder geboren.

Kaum vorstellbar, dass Kambodscha 1969 eine bessere medizinische Versorgung besaß, als Singapur und Malaysia. Doch die Kriege ab 1970 zerstörten die gesamte Infrastruktur des Landes. Und die damals rund 300 im gesamten Land verteilten Gefängnisse sind der Grund für den immens hohen Anteil an Tuberkulose-Erkrankungen in der Bevölkerung. Laut Dr. Richner sind es 65% – ein für ihn unhaltbarer Umstand. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ihm seinerzeit wichtige Instrumente zur erfolgreichen Diagnose verwehrt wurden. Denn diese, an sich teuren Spezialgeräte wurden Ländern wie Kambodscha nicht zur Verfügung gestellt. Solch ein Denken und Handeln erfordert die hoch ausgeprägte Fähigkeit, verzeihen zu können. So lässt es Beatocello – der Künstlername von Dr. Beat Richner – während seines allwöchentlichen Konzerts in seinem Kinderkrankenhaus in Siem Reap verlauten.

Gefühlte Ohnmacht in Verzeihen umwandeln

Verzeihen, dass die USA nicht in der Lage sind, zu spenden. Dies aus dem Grund, weil sämtliche Behandlungen in seinen Krankenhäusern kostenfrei durchgeführt werden. Denn nur, wer für eine Behandlung bezahlt, weiß sie auch zu schätzen – so zumindest lautet es in den Statuten. Bei einem Einkommen von 50 Cent pro Tag ein schier unmögliches Unterfangen. Und mal ehrlich: Welche Mutter möchte nicht, dass ihr Kind gesund ist?

Verzeihen, dass Touristen ihre Häupter für 150,00 US$ und mehr pro Nacht auf weichen Kissen in teuren Hotels in Kambodscha betten, dafür aber die lebensrettenden Kosten von 240,00 US$ für einen Krankenhausaufenthalt für vergleichsweise unangemessen hoch halten. Vor dem Hintergrund, dass sich die von Dr. Beat Richner erbauten Krankenhäuser laut einer Studie aus dem Jahr 2009 als die wirtschaftlichsten aller untersuchten Krankenhäuser in 100 Ländern erwiesen haben, eine vergleichsweise schwierige Aussage.

Warum spricht so vieles dagegen, das Leben eines Kindes zu retten? Eine Frage, welche BeatoCello während seines Konzerts immer wieder in den Raum stellt. Von einem chinesischen Gelehrten erhielt er seinerzeit die weise Antwort: Sprich nicht so viel und stelle nicht so viele Fragen. Lasse Dein Cello für Dich sprechen.

Und das funktioniert – allein die wöchentlichen Konzerte in Siem Reap und Phnom Penh bringen rund 6 Millionen US$ ein, knapp ein Viertel der jährlich benötigten Gesamtsumme für alle Krankenhäuser. Knapp 50% des Budgets werden für Medikamente benötigt – Pharmakonzerne spenden nichts. Die Gehälter sind vergleichsweise hoch. So bekommt selbst das Reinigungspersonal monatlich 250,00 US$ ausgezahlt. Ausreichend Geld, um die eigenen Familien richtig  versorgen zu können. Aber auch, um Korruption zu verhindern. Denn die Kantha Bopha Krankenhäuser sind ein Ort des Friedens. Und wer glaubt, dass vornehmlich Ausländer in den Krankenhäusern arbeiten, der irrt. Von den 2.400 Mitarbeitern sind es lediglich vier – wobei eines aus Italien kommt: Das Cello von BeatoCello.

Frieden, der sich auch darin bemerkbar macht, dass die Mütter kostenlos mit aufgenommen werden im Krankenhaus. Denn wenn sie bei ihren Kindern sind, steigert sich deren Selbstheilungsprozess um ein Vielfaches. Auch die Tatsache, dass ihnen die Sorge um das Aufbringen von Kosten genommen wird, wirkt sich positiv auf den Heilungsprozess aus.  Von einer derartig zusätzlich finanziellen und daraus resultierenden psychischen Belastung befreit können sie sich auf die Genesung ihrer Kinder konzentrieren.

Konzert von Dr. Beat Richner in Siem Reap

[update März 2017] Das Konzert findet auf Grund der Erkrankung von Dr. Beat Richner leider nicht mehr statt. 

Wenn du dich nach Siem Reap aufmachst, um die Tempel von Angkor zu besichtigen, solltest du unbedingt auch das Konzert von Dr. Beat Richner besuchen.

  • Ort: Jayavarman VII Hospital, Krong Siem Reap
  • Tag: Jeden Samstag
  • Uhrzeit: 19.15 Uhr
  • Tipp: Nimm warme Kleidung mit, der Konzertsaal ist recht kühl

Es ist eine wahre Bereicherung, ihm zuzuhören. Wie er die Dinge mit Charme und einer gut dosierten Prise Ironie auf den Punkt bringt. Wie er die Zuhörer emotional an seinem täglichen Kampf nicht nur um Geld, auch um Gerechtigkeit mitfühlen lässt – ohne dabei das Publikum zu beschämen – verdient allerhöchsten Respekt. Und nicht umsonst hat der amtierende König Norodom Sihamoni bei einer Gala im Zirkus Knie in der Schweiz geäußert, dass er sich geehrt fühle ein Freund von Dr. Beat Richner sein zu dürfen.

Blut oder Geld oder beides spenden

Selbst sein Aufruf zu spenden bewirkt Schmunzeln im Publikum. Die jüngeren unter den Anwesenden mögen bitte Blut spenden, die älteren doch bitte Geld. Und wer sich altermäßig in der Mitte befindet, darf auch gern Blut und Geld spenden. Wer zur mittleren bzw. älteren Altergruppe zählt und sich angesprochen fühlt, der findet die Spendenkonten auf der Webseite von Dr. Beat Richner.

Wer laufend informiert werden möchte, findet diesen großartigen Menschen auf Facebook. Und wer seine eigenen Gedanken lesen möchte, dem empfehlen wir sein Buch Ambassador: Zwischen Leben und Überleben

Ein Artikel aus der Serie 100 Dinge, die du unbedingt in Siem Reap tun musst.

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