{"id":8285,"date":"2017-11-13T08:34:14","date_gmt":"2017-11-13T08:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.visit-angkor.org\/de\/?p=8285"},"modified":"2024-02-08T14:40:19","modified_gmt":"2024-02-08T13:40:19","slug":"zug-kampot-ungewoehnliche-bahnfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.visit-angkor.org\/de\/zug-kampot-ungewoehnliche-bahnfahrt\/","title":{"rendered":"Mit dem Zug nach Kampot – eine ungew\u00f6hnliche Bahnfahrt"},"content":{"rendered":"\n

Dieses Jahr bin ich erstmalig auch au\u00dferhalb von Siem Reap in Kambodscha unterwegs. Zusammen mit Seiyon geht es nach Phnom Penh, Kampot, Sihanoukville und die Insel Koh Rong Samloem. Es wird also ab jetzt auch Infos und Geschichten \u00fcber weitere Orte als Siem Reap und den Angkor Tempeln geben. In meinem ersten Artikel erz\u00e4hle ich dir \u00fcber meine Erlebnisse der Fahrt mit dem Zug in Kambodscha.<\/p>\n\n\n\n

Seit 2016 hat die k\u00f6nigliche Bahn ihren Verkehr zwischen Phnom Penh und Sihanoukville wieder aufgenommen. Einmal w\u00f6chentlich – Samstags – [update: neuerdings jeden Freitag, Samstag und Sonntag] geht es auf gleicher Strecke hin und zur\u00fcck. Nur an Feiertagen wie das kambodschanische Neujahr fahren Z\u00fcge an mehreren Tagen. Die Fahrt f\u00fcr die rund 350 km lange Strecke dauert rund 8 Stunden. Wir sind nur 4 Stunden unterwegs, weil wir auf halber Strecke in Kampot aussteigen wollen.<\/p>\n\n\n\n

Bereits einen Tag vor Abreise kaufe ich die Karten. Eine f\u00fcr Seiyon und eine f\u00fcr mich. F\u00fcr die einfache Strecke nach Kampot kostet das Ticket 7$ pro Person. Ob ich ein Auto, Tuk Tuk, Motorrad oder Fahrrad mitnehmen m\u00f6chte, werde ich von der Dame am Schalter gefragt. Das ist ein Autoreisezug? Ich bin \u00fcberrascht. Ich teile ihr mit, dass ich kein Gef\u00e4hrt habe. Mit der Hand f\u00fcllt die Dame am Schalter das Ticket aus. Ebenso tr\u00e4gt sie uns handschriftlich in ein gro\u00dfes Buch ein. Das Prozedere dauert rund 10 Minuten und ich erhalte das Ticket mit zwei Platzreservierungen. Die Bahnhofshalle ist menschenleer. Klar – f\u00e4hrt ja auch kein Zug an dem Tag.<\/p>\n\n\n\n

\"Die<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Schalter<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Fahrkarte<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Eisenbahnwaggon<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Vorderfront<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n

Am n\u00e4chsten Morgen kommen wir um kurz nach halb sieben p\u00fcnktlich am Bahnhof an. Diesmal ist die Halle mit wartenden Reisenden gef\u00fcllt. Sie alle wollen den 7 Uhr Zug in Richtung Sihanoukville nehmen.<\/p>\n\n\n\n

Der Zug besteht aus vier kleinen Waggons und hinten dran noch zwei offene G\u00fcter-Waggons f\u00fcr Autos, Tuk Tuks & Co. Und tats\u00e4chlich, zwei Autos und zwei Tuk Tuks gehen mit auf die Reise. Ein Bahnmitarbeiter k\u00fcndigt per Mikrofon an, dass der Zug nun bereit sei. Wir steigen ein ins Abteil, es ist bequem und auf den blauen gem\u00fctlichen B\u00e4nken finden wir schnell einen Platz. Wobei wir am\u00fcsiert feststellen, dass es im Abteil gar keine festen Sitzpl\u00e4tze gibt.<\/p>\n\n\n\n

\"Bahnmitarbeiter<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Tuk<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Tuk<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Bahnhof<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"\"<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich darf die obligatorische Klimaanlage nicht fehlen. Und ausgerechnet dieses Exemplar ist \u00e4u\u00dferst eifrig bei der Sache – die Luft ist eisig. \u00dcberall im Abteil fangen die Leute an, die Fenster zu \u00f6ffnen. Kurz darauf erscheint die Schaffnerin. Sie gibt uns unmissverst\u00e4ndlich zu verstehen, dass die Fenster geschlossen bleiben m\u00fcssen. Sie spricht gebrochenes Englisch mit viel Khmer dazwischen, f\u00fcr die meisten im Zug eigentlich unverst\u00e4ndlich, doch ihre K\u00f6rpersprache sagt alles. Nat\u00fcrlich wollen wir den Grund wissen. Seiyon fragt nach und \u00fcbersetzt die Antwort der mittlerweile „leicht“ angespannten Schaffnerin ins Englische:\u00a0„Offene Fenster sind viel zu gef\u00e4hrlich“, so ihre Argumentation.<\/p>\n\n\n\n

Achso …<\/p>\n\n\n\n

„Au\u00dferdem sei die Klimaanlage jetzt so eingestellt, dass es schon bald sehr angenehm f\u00fcr uns sein wird“, so die weitere Erl\u00e4uterung. Alle im Abteil sind sichtlich entt\u00e4uscht, doch sie l\u00e4sst sich nicht umstimmen. Sichtlich frustriert, doch mit einer ergebenen Gelassenheit, schlie\u00dfen wir alle wieder die Fenster. Umso erstaunlicher stellt sich kurze Zeit sp\u00e4ter heraus, dass die Eingangst\u00fcren komplett ge\u00f6ffnet sind – bei fahrendem Zug wohlgemerkt \u2026 Seiyon und ich m\u00fcssen laut lachen – wieder einmal typisch f\u00fcr Kambodscha und seinen unverst\u00e4ndlichen Regeln, die man gern schon mal an anderer Stelle v\u00f6llig ignoriert.<\/p>\n\n\n\n

Allen voran hat es sich die Schaffnerin in der offenen T\u00fcr gem\u00fctlich gemacht. Auf dem Boden sitzend und munter schwatzend futtert sie ihr Fr\u00fchst\u00fcck – eine Suppe. Suppen zum Fr\u00fchst\u00fcck<\/a> sind typisch in Kambodscha. \u201cWanna sit down\u201d? Fragt sie mich und grinst mich dabei breit an. Ich gebe ich ihr zu verstehen, dass mir das zu gef\u00e4hrlich sei, was nat\u00fcrlich gelogen war – ich wollte sie nur ein klein wenig foppen. Ihr Grinsen wird noch breiter. Ich glaube, sie hat meinen Wink verstanden.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Seiyon<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Inga<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Passagiere<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n

Schon bald entwickelt sich reges Treiben im Abteil. Nach gerade mal gef\u00fchlten 300 Metern Fahrt, wird erst einmal das mitgebrachte Essen ausgepackt. Essen ist wohl eine der wichtigsten Handlungen im Tagesablauf eines Kambodschaners. Auch die gut best\u00fcckte Bordk\u00fcche hat ordentlich zu tun. Laufend bringt das Zugpersonal die bestellten Getr\u00e4nke und Speisen zu den wartenden Fahrg\u00e4sten.<\/p>\n\n\n\n

Mit einer Geschwindigkeit von rund 30 kmh tuckert der Zug durch die Landschaft. An manchen Stellen sind die Gleise so schlecht, dass es nur in Schrittgeschwindigkeit vorangeht. Wir sp\u00fcren das Ruckeln der R\u00e4der auf den Schienen wenn sie \u00fcber eine Nahtstelle rollen. Tock, Tock, Tock, dann eine Pause und dann wieder Tock, Tock, Tock. Es dauert nicht lange, und wir gew\u00f6hnen uns an den gleichm\u00e4\u00dfigen Takt. Es bleibt uns ja eh nichts anderes \u00fcbrig :-)<\/p>\n\n\n\n

\"Zug<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n

Zwischenstop in Takeo. Wir k\u00f6nnen kurz aussteigen und uns die Beine vertreten, w\u00e4hrend einige Fahrg\u00e4ste aussteigen und neue zusteigen. Wobei sich das Aussteigen aus unserem Abteil als gar nicht so einfach herausstellt. Der Bahnsteig ist trotz des nicht wirklich langen Zuges ein klein wenig zu kurz geraten. Viele nutzen die Gelegenheit, sich etwas zu essen zu kaufen. Kaum zu glauben: Auch diejenigen, die bereits die ganze Zeit gefuttert haben. Als sie zur\u00fcckkommen, f\u00fcllt sich das Abteil mit unterschiedlichsten Ger\u00fcchen. H\u00fchnchen am Spie\u00df, Gem\u00fcse, Suppe – alles da. Wir knabbern Oreon Kekse mit Erdbeergeschmack, die Seiyon f\u00fcr uns w\u00e4hrend des Halts schnell noch besorgt hat.<\/p>\n\n\n\n

\"Bahnhof<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n
\"Ausstieg<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n

Weiter geht die Fahrt. Vorbei an sattgr\u00fcnen endlos reichenden Reisfeldern w\u00e4hrend am Horizont die ersten Gebirgsketten auftauchen.<\/p>\n\n\n\n

\"Gebirge<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n

Direkt neben einer Bergkette geht es pl\u00f6tzlich gar nicht mehr weiter. Im Gegenteil, wir fahren sogar ein St\u00fcck in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Grund daf\u00fcr ist der entgegenkommende Zug, auf den wir jetzt warten m\u00fcssen. Unser Zug steht jetzt also auf dem Nebengleis herum. Wir fragen die Schaffnerin, wie lange es dauert. Manchmal geht es schnell, manchmal dauert es l\u00e4nger, bekommen wir als Antwort zu h\u00f6ren. Auf unsere Frage, wie lang denn lang sei, erhalten wir zur Antwort, dass 30 Minuten die l\u00e4ngste Wartezeit sind. Wie sich herausstellt, warten wir l\u00e4nger als eine Stunde.<\/p>\n\n\n\n

Aber alles halb so wild. Denn wir erreichen p\u00fcnktlich unser Ziel … Den Bahnhof von Kampot.<\/p>\n\n\n\n

\"Bahnhof<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n


Womit der Bahnhof nicht das eigentliche Ziel ist, sondern eine
Bootstour mit Bj\u00f6rn<\/a> in Kampot :-) <\/p>\n\n\n

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\"Angkor<\/a><\/figure><\/div>\n\n\n
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Affiliate*<\/p>\n\n\n